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Wissen

Wie funktioniert die Bilanzkreisabrechnung nach MaBiS?

Kurz: Jeder Bilanzkreis muss in jeder Viertelstunde ausgeglichen sein. Die Netzbetreiber melden dem Übertragungsnetzbetreiber, der dabei als Bilanzkoordinator (BIKO) handelt, je Bilanzkreis, was tatsächlich geflossen ist. Der BIKO vergleicht das mit den Fahrplänen und rechnet die Differenz als Ausgleichsenergie ab. MaBiS regelt, welche Daten wann in welchem Format fließen.

Autor: Rainer Notter, Product Director bei Engrate.

Was ist ein Bilanzkreis?

Ein Bilanzkreis ist ein virtuelles Konto beim Übertragungsnetzbetreiber. Auf der einen Seite stehen Einspeisung und Zukäufe, auf der anderen Entnahmen und Verkäufe. Jede Marktlokation in Deutschland gehört genau einem Bilanzkreis. Der Bilanzkreisverantwortliche (BKV) haftet dafür, dass beide Seiten in jeder Viertelstunde übereinstimmen. Wer das nicht schafft, zahlt Ausgleichsenergie.

Es gibt vier Regelzonen (50Hertz, Amprion, TenneT, TransnetBW). Ein BKV mit Kunden in ganz Deutschland hat deshalb mindestens vier Bilanzkreise, oft mit Unterbilanzkreisen für einzelne Kunden oder Produkte.

Welche Daten fließen?

MaBiS beschreibt die Datenwege im Detail. Der ÜNB handelt dabei in der Rolle des Bilanzkoordinators (BIKO). Die wichtigsten:

  • Zuordnungslisten: Welche Marktlokation gehört zu welchem Bilanzkreis? Netzbetreiber und BKV gleichen diese Listen monatlich ab. Hier entstehen die meisten Fehler.
  • Lastgänge: Viertelstundenwerte aus Zählern mit registrierender Leistungsmessung, je Marktlokation. Sie gehen an den Lieferanten, nicht an den BKV.
  • Standardlastprofile: Für kleine Kunden ohne Lastgangzähler rechnet der Netzbetreiber mit Profilen, synthetisch oder analytisch.
  • Bilanzkreissummenzeitreihen: Der Netzbetreiber summiert alle Lokationen eines Bilanzkreises in seinem Netz und sendet die Summe an den BIKO und an den BKV. Der BKV bekommt nur diese aggregierten Zeitreihen.
  • Deltazeitreihen: Was im Netz eines Netzbetreibers nicht über die Bilanzkreissummen erklärt ist, landet in dessen Differenzbilanzkreis. Diese Zeitreihen laufen zwischen Netzbetreiber und BIKO; der BKV bekommt sie nicht.

Der BKV sieht also nicht jede Lokation, sondern Summen je Netzbetreiber und Bilanzkreis. Prüfen kann er nur, wenn er die Zuordnungslisten und die Summen gegeneinander hält.

Wie läuft die Abrechnung zeitlich?

Der ÜNB rechnet jeden Liefermonat ab, in der Regel rund zwei Monate später. Vorher läuft eine Frist, in der Netzbetreiber ihre Zeitreihen liefern und der BKV widersprechen kann. Später folgen Korrekturläufe, wenn Netzbetreiber Daten nachreichen oder Zuordnungen geklärt werden. Die genauen Fristen stehen in der MaBiS-Festlegung der Bundesnetzagentur und im jeweiligen Bilanzkreisvertrag.

Getrennt davon rechnen Netzbetreiber und Lieferant die Mehr- und Mindermengen ab, wenn die Standardlastprofile von der späteren Messung abweichen. Das ist kein Teil der Bilanzkreisabrechnung, hängt aber an denselben Daten.

Was kostet Ausgleichsenergie?

Der Preis heißt reBAP (regelzonenübergreifender einheitlicher Bilanzausgleichsenergiepreis). Er wird je Viertelstunde aus den Kosten der Regelenergie berechnet und ist für alle vier Regelzonen gleich. Er kann negativ sein und in knappen Stunden mehrere tausend Euro je Megawattstunde erreichen. Ein BKV, der systematisch unterdeckt ist, merkt das in der ersten Abrechnung. Deshalb ist Ausgleichsenergie-Monitoring im Tagesgeschäft wichtiger als jede Jahresstatistik.

Welche Formate kommen vor?

  • MSCONS für alle Zeitreihen: Lastgänge, Summen, Deltas.
  • UTILMD für Zuordnungen und Stammdaten.
  • INVOIC und REMADV für Abrechnung und Zahlungsavis.
  • Clearinglisten für strittige Lokationen.

Alles in EDIFACT, über AS4, in der jeweils gültigen Formatversion. Wer die Grundlagen braucht: Marktkommunikation erklärt.

Woran scheitern neue Bilanzkreisverantwortliche?

Aus der Praxis, in dieser Reihenfolge:

  1. Unvollständige Zuordnungslisten. Eine Lokation hängt beim Netzbetreiber noch im alten Bilanzkreis, obwohl der Kunde schon zum neuen Lieferanten gewechselt hat. Der neue BKV hat die Energie beschafft, aber die Entnahme landet nicht in seinem Bilanzkreis: Sein Überschuss wird als Ausgleichsenergie abgerechnet. Der alte BKV hat zu wenig beschafft und wird über Ausgleichsenergie versorgt.
  2. Niemand prüft die Summenzeitreihen. Die Daten kommen an, aber keiner vergleicht sie mit der eigenen Erwartung.
  3. Fristen für Widerspruch verpasst. Danach ist die Abrechnung bindend.
  4. Fahrplan und Bilanzkreis stimmen nicht überein. Der Handel meldet andere Mengen, als der Vertrieb liefert. Siehe Fahrplanmanagement erklärt.

Wie macht es Engrate?

Engrate nimmt die MaBiS-Daten aller Netzbetreiber entgegen, hält Zuordnungslisten und Summenzeitreihen automatisch gegeneinander und zeigt Abweichungen je Lokation, nicht nur je Bilanzkreis. Die Ausgleichsenergie wird täglich geschätzt, nicht erst zwei Monate später. Alles ist per API erreichbar, sodass Handel und Vertrieb mit denselben Zahlen arbeiten. Mehr zum Produkt: Energy Market Communication.

Quellen

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Was ist Ausgleichsenergie?

Die Differenz zwischen dem, was ein Bilanzkreis je Viertelstunde angemeldet hat, und dem, was tatsächlich geflossen ist. Der ÜNB rechnet sie zum reBAP ab.

Wer liefert die Daten für die Abrechnung?

Die Verteilnetzbetreiber aggregieren die Messwerte und Standardlastprofile je Bilanzkreis und senden die Bilanzkreissummenzeitreihen an den ÜNB in seiner Rolle als Bilanzkoordinator (BIKO) und an den BKV. Einzelne Lastgänge gehen nur an den Lieferanten.

Wann wird abgerechnet?

Monatlich, in der Regel rund zwei Monate nach dem Liefermonat. Danach folgen Korrekturläufe, wenn Netzbetreiber Daten nachreichen.

Welche Formate kommen vor?

MSCONS für Zeitreihen, UTILMD für Zuordnungen, INVOIC und REMADV für die Abrechnung, dazu Clearinglisten.

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