Wie werde ich Bilanzkreisverantwortlicher in Deutschland? Sieben Schritte
Kurz: Du brauchst einen Bilanzkreisvertrag mit einem Übertragungsnetzbetreiber, eine BDEW-Codenummer, einen Eintrag im Marktstammdatenregister, eine Sicherheitsleistung und eine funktionierende Fahrplan- und Marktkommunikation. Das dauert drei bis sechs Monate. Oder du nutzt einen Bilanzkreis als Service und bist in Wochen am Markt.
Wer braucht überhaupt einen eigenen Bilanzkreis?
Jeder, der Strom liefert, einspeist oder handelt, muss in einem Bilanzkreis sein. Die Frage ist nur: im eigenen oder in dem eines anderen. Ein eigener Bilanzkreis lohnt sich, wenn du Handel und Portfolio selbst steuern willst, zum Beispiel als Direktvermarkter, Batteriebetreiber oder Lieferant mit eigenem Beschaffungsteam. Wer nur liefern will, fährt oft besser im Bilanzkreis eines Dienstleisters.
Schritt 1: Regelzone und Übertragungsnetzbetreiber wählen
Deutschland hat vier Regelzonen: 50Hertz (Osten und Hamburg), Amprion (Westen), TenneT (Nord-Süd-Achse), TransnetBW (Baden-Württemberg). Ein Bilanzkreis gilt immer für eine Regelzone. Wer bundesweit aktiv ist, braucht vier Bilanzkreise und vier Verträge. Die Verträge sind standardisiert, die ÜNB arbeiten ähnlich, aber nicht gleich.
Schritt 2: Kennungen besorgen
- BDEW-Codenummer: 13 Stellen, beantragt beim BDEW. Ohne sie läuft keine Marktkommunikation.
- EIC-Codes: die europäischen Kennungen für Fahrpläne und Bilanzkreise, in Deutschland vergeben über den BDEW als lokale Vergabestelle. Du brauchst einen für dich als Marktteilnehmer und einen je Bilanzkreis; die Bilanzkreise stehen mit ihren EIC in Anlage 1 des Bilanzkreisvertrags, und du hältst die Codes bei der Vergabestelle aktuell.
- Marktstammdatenregister: Pflicht innerhalb eines Monats nach Aufnahme der Tätigkeit als Bilanzkreisverantwortlicher. Die Daten sind öffentlich.
Schritt 3: Bilanzkreisvertrag und Sicherheitsleistung
Der Bilanzkreisvertrag folgt einer Festlegung der Bundesnetzagentur und ist bei allen vier ÜNB weitgehend gleich. Der ÜNB prüft die Bonität und verlangt eine Sicherheitsleistung, bemessen an der erwarteten Ausgleichsenergie. Üblich sind Bankbürgschaft oder Bareinlage. Dieser Schritt dauert oft am längsten, weil Bonitätsprüfung und Bürgschaft parallel laufen müssen.
Schritt 4: Fahrplanmanagement einrichten
Jede Viertelstunde, in der dein Bilanzkreis Energie mit einem anderen tauscht, braucht einen Fahrplan beim ÜNB. Du brauchst Zugang zum Fahrplanportal des ÜNB, ein System, das das ESS-Format erzeugt, und einen Test mit dem ÜNB vor dem Go-live. Details unter Fahrplanmanagement erklärt.
Schritt 5: Marktkommunikation aufsetzen
AS4-Zertifikat, EDIFACT in der aktuellen Formatversion, Empfang der MaBiS-Daten von jedem Netzbetreiber, in dessen Netz du Lokationen hast. Dazu Kommunikationstests mit den ÜNB. Grundlagen unter Marktkommunikation erklärt und Bilanzkreisabrechnung nach MaBiS.
Schritt 6: Betrieb organisieren
Ein Bilanzkreis läuft sieben Tage die Woche. Jemand muss Fahrpläne anmelden, Abweichungen sehen, Ablehnungen bearbeiten und die monatliche Abrechnung prüfen. Das ist kein Vollzeitjob für ein kleines Portfolio, aber es braucht einen Namen, einen Vertreter und ein Werkzeug, das Abweichungen von selbst meldet.
Schritt 7: Go-live und erste Abrechnung
Der erste Liefermonat zeigt, ob Zuordnungen, Fahrpläne und Messdaten zusammenpassen. Plane die ersten zwei Abrechnungen als Teil des Projekts, nicht als Betrieb. Die meisten Korrekturen kommen dort.
Was kostet das?
Grob, für einen Einstieg mit einer Regelzone: Sicherheitsleistung je nach Portfolio, Software oder Dienstleister im niedrigen bis mittleren vierstelligen Bereich pro Monat, und ein bis zwei Personen in Teilzeit. Die versteckten Kosten sind Ausgleichsenergie in den ersten Monaten und die zwei Formatwechsel pro Jahr.
Die Alternative: Bilanzkreis als Service
Ein bestehender Bilanzkreisverantwortlicher führt deinen Bilanzkreis, meist als Unterbilanzkreis in seinem Vertrag. Du bekommst Fahrplanmanagement, Marktkommunikation und Abrechnung aus einer Hand, ohne eigenen Vertrag mit dem ÜNB und ohne volle Sicherheitsleistung. Der Weg lohnt sich, wenn Zeit knapper ist als Geld, oder als Zwischenschritt, bis das eigene Portfolio einen eigenen Bilanzkreis trägt. n:lead bietet das in Deutschland als Service auf der Engrate-Plattform an.
Wie macht es Engrate?
Engrate ist die Plattform darunter: Fahrpläne, Marktkommunikation, MaBiS-Daten und Ausgleichsenergie-Monitoring per API, für den eigenen Bilanzkreis oder im Service-Modell. Cloover hat Engrate als BRP-IT-Dienstleister in Deutschland gewählt und war nach eigenen Worten in wenigen Wochen mit dem Bilanzkreis live. Flower betreibt seine Rollen als Bilanzkreisverantwortlicher und Lieferant ebenfalls auf der Plattform. Mehr zum Produkt: Energy Market Communication.